Ratgeber ERP-Projekt
Interim Manager oder Berater im ERP-Projekt?
Ein ERP-Projekt braucht auf Seite des Unternehmens jemanden, der führt. Softwarehersteller und Implementierungspartner übernehmen das nicht. Dieser Ratgeber zeigt, wann ein Berater reicht und wann jemand mit Linienverantwortung gebraucht wird.
Berater oder Interim Manager: der Unterschied
Berater: empfiehlt und begleitet
Ein Berater analysiert, bereitet Entscheidungen vor und unterstützt das Projektteam. Entscheiden und umsetzen müssen Geschäftsführung und eigene Leute.
Interim Manager: entscheidet und verantwortet
Ein Interim Manager übernimmt auf Zeit eine Rolle im Unternehmen, etwa IT-Leitung oder Projektleitung auf Kundenseite. Er führt Team und Partner, verantwortet Budget und Termine und steht für das Ergebnis ein.
Ein Berater reicht, wenn …
eine erfahrene IT-Leitung im Haus ist, die Zeit für das Projekt hat, und vor allem Fachwissen fehlt, etwa zur Auswahl des Systems oder zu einzelnen Prozessen.
Ein Interim Manager lohnt sich, wenn …
die IT-Leitung fehlt oder voll im Tagesgeschäft steckt, das Projekt schon wackelt oder der Implementierungspartner den Takt vorgibt, weil auf Kundenseite niemand gegenhält.
Drei Fragen für die Entscheidung
- 01 · Frage 1
Wer entscheidet im Projekt?
Wenn Entscheidungen zu Prozessen, Budget und Umfang regelmäßig liegen bleiben, fehlt Führung, kein Wissen. Dann hilft ein weiterer Berater wenig.
- 02 · Frage 2
Wer steuert den Partner?
Implementierungspartner werden meist nach Aufwand bezahlt und haben wenig Grund, Umfang zu begrenzen. Auf Kundenseite braucht es jemanden, der Angebote, Änderungen und Abnahmen fachlich bewerten und ablehnen kann.
- 03 · Frage 3
Wer trägt das System danach?
Nach dem Start muss das eigene Team das ERP betreiben und weiterentwickeln. Gute Interim-Mandate planen diese Übergabe von Anfang an mit ein.
Aus der Praxis
Interim CIO bei einer Dynamics-365-Einführung
Bei einem Hersteller für Intralogistik mit über 200 Mitarbeitenden stand der ERP-Wechsel an, eine IT-Leitung gab es nicht. Steffen Herr übernahm als Interim CIO die Verantwortung für die IT und damit auch für das Projekt auf Kundenseite.
- IT-Strategie und Governance vor dem Projekt geklärt
- Einführung von Microsoft Dynamics 365 auf Kundenseite geführt
- Bestandssysteme migriert und angebunden
- Mitarbeitende durch den Wechsel begleitet
Mehr zu Rolle und Vorgehen steht auf der Seite Interim CIO.
Typische Fehler im ERP-Projekt
- Die Projektleitung auf Kundenseite läuft nebenher, zusätzlich zum Tagesgeschäft
- Prozesse werden nicht vorher geklärt, sondern im System nachgebaut, wie sie heute sind
- Datenmigration und Schnittstellen werden zu spät geplant
- Die Mitarbeitenden erfahren vom neuen System erst kurz vor dem Start
- Nach dem Go-live fehlt eine Rolle, die das System weiterführt
Häufige Fragen
Kann der Implementierungspartner die Projektleitung übernehmen?
Er leitet sein eigenes Team. Die Projektleitung auf Kundenseite sollte nicht beim Partner liegen, weil dann niemand seine Angebote und Änderungswünsche unabhängig bewertet.
Lohnt sich ein Interim Manager auch für kleinere ERP-Projekte?
Bei kleinen Projekten mit erfahrener IT-Leitung reicht oft punktuelle Beratung. Ein Interim Manager lohnt sich vor allem, wenn die Führungsrolle fehlt, nicht wegen der Projektgröße.
Wann sollte ein Interim Manager ins ERP-Projekt kommen?
Am besten vor der Systemauswahl. Dann fließen Prozesse, Ziele und Budget in die Ausschreibung ein. Später hinzuzukommen geht auch, kostet aber meist mehr Korrekturen.
Ist BAFA-Förderung möglich?
Für Beratungen kleiner und mittlerer Unternehmen gibt es die BAFA-Förderung. Steffen Herr ist als Unternehmensberater beim BAFA gelistet. Ob ein Vorhaben förderfähig ist, wird vorab geprüft.
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Stand: 02.10.2026